Auswirkung des niedrigen Zinsniveaus auf die Immobilienwirtschaft

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt seit der Weltwirtschaftskrise 2008 auf eine expansive Geldpolitik, um die Märkte für Investoren attraktiver zu gestalten und so die Wirtschaft zu stützen. Insbesondere die Bankenkrise, welche durch die Insolvenz von Lehmann Brother´s angestossen wurde, die griechische Staatsschuldenkrise und die schwache Konjunktur im Euroraum 2015 veranlassten die EZB zu dieser Geldpolitik. Mittlerweile befinden sich die Zinsen auf einem historisch niedrigen Niveau. Doch welche Konsequenzen birgt dies für die Immobilienwirtschaft und sind diese ausschließlich positiv?

 

Der wohl augenscheinlichste Effekt sind die steigenden Investitionen und die damit verbundenen Preissteigerungen. Dieser Sachverhalt ist auf zwei Gründe zurückzuführen. Zum einen betreffen die niedrigen Zinsen die Kreditaufnahme, wodurch Fremdkapital so günstig wie nie ist. Andererseits leiden andere Anlagemöglichkeiten, wie Aktien und andere Wertpapiere unter dem Zinsniveau und bieten Anlegern nicht mehr die gewohnten Renditen. Immobilien gelten dahingegen weiterhin als rentable Anlage. Aus diesen beiden Gründen stiegt das Kreditvolumen im Immobiliensektor seit 2008 um fast 20 Prozent. Andererseits hat erhöhte Investitionsvolumen eine enorme Preissteigerung zur Folge. Insbesondere Metropolen erfahren seit mehreren Jahren eine rasante preisliche Entwicklung.

 

Abgesehen von diesen Entwicklungen müssen sich Akteure der Immobilienwirtschaft mehrerer Risiken bewusst sein. Da der Marktzins in finanzmathematische Investitionsrechnungen einfließt, beeinflusst dieser die Entscheidungen von Investoren immens. Als Diskontierungsfaktor übersteigert er sogar teilweise besagte Rechnungen und ist somit für die rasanten Preisentwicklungen mitverantwortlich. Weitergehend haben die mit niedrigen Zinsen versehenen Kredite eine längere Laufzeit als Kredite zu einem höheren Zinsniveau. Längere Laufzeiten erfordern jedoch Anschlussfinanzierungen, die, sollten die Zinsen ansteigen, die Investition im Nachhinein untragbar machen. Entscheidet man sich im Gegenzug für höhere Tilgungen, um die langen Kreditlaufzeiten zu umgehen, ersetzt man günstigeres Eigenkapital durch teures Fremdkapital. 

 

Ebenfalls können die Auswirkungen einer Zinserhöhung auf den Finanzierungspartner schwerwiegende Folgen für Investoren haben. Die von Banken und andere Institutionen vergebenen Kredite sind meist langfristiger Natur. Im Falle der Erhöhung des Zinsniveaus durch die europäische Zentralbank ändern sich die festgelegten Zinssätze der vergebenen Kredite nicht. Somit steigen die Einnahmen der Kreditinstitute aus bestehen Krediten ebenfalls nicht. Die Verbindlichkeiten werden jedoch erhöht, da die Geldeinlagen der Kunden kurzfristiger Natur sind: Steigt das Zinsniveau steigen die Zinszahlungen an die Kunden. Sollte ein Kurswechsel der EZB erfolgen werden die Verbindlichkeiten der Kreditgeber deren Forderungen überschreiten und eventuelle Zahlungsunfähigkeiten entstehen. Als Resultat würden der Branche ein Großteil der finanziellen Mittel entzogen werden.

 

Insgesamt sollten sich sowohl Investoren, als auch Eigentümer und Financiers der Risiken des Zinsniveaus bewusst sein. Durch dessen politisch bedingte Natur sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft schwer einzuschätzen und somit risikobehafteter.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0